Kräuter richtig ernten und trocknen

Wildkrätuer, Heilkräuter richtig ernten und trocknen, KräutergartenWas gibt es Schöneres als im Winter auf gesammelte Schätze aus der Natur zurückzugreifen und bei einer Tasse Kräutertee vom nächsten Sommer zu träumen. Wenn wir beim Ernten und Trocknen ein paar Regeln beachten, weist unser Kräutervorrat zudem eine Fülle von guten Inhaltsstoffen auf.

Die wichtigste Regel ist selbstverständlich, nur zu ernten, was man kennt. In der Natur wachsen auch viele Wildpflanzen, die uns nicht zuträglich oder sogar giftig sind. Und natürlich sollten wir nur so viel Kräuter sammeln, wie wir tatsächlich benötigen. So können wir auch im nächsten Jahr wieder viele Wildkräuter finden. Der Standort ist beim Kräutersammeln ebenfalls sehr wichtig. Neben sehr befahrenen Straßen, stark gespritzten Feldern oder Hundewegstrecken ist das Kräutersammeln nicht zu empfehlen. Wer einen eigenen Garten hat, der auch noch etwas wild und ursprünglich sein darf,  hat den idealen Ort zum Ernten gefunden. In meinem Hausgarten wachsen viele Wildkräuter: Kamille, Frauenmantel, Spitzwegerich, Gundermann, Löwenzahn, Brennnessel (einfach öfters ernten, so hat man das ganze Jahr frische Triebe), Taubennessel usw. Zudem habe ich einige Kräuter selbst angebaut.

Es ist gut, die Ernteregeln im Kopf zu haben, auch wenn man sie oft nicht ganz beachten kann. Es sollte bei schönem Wetter geerntet werden, wenn die Sonne schon ein bis zwei Tage geschienen hat. Bei starker Trockenheit kann der Wirkstoffgehalt der Pflanze allerdings eingeschränkt sein. Im Frühjahr werden Knospen, junge Blätter und Triebe geerntet. Die Hauptzeit der Kräuterernte ist der Sommer, da zu dieser Jahreszeit die oberen Triebe mitsamt der Blüte geerntet werden können.  Mit dem Herbst beginnt die Sammelzeit für Wurzeln, Samen und Wildfrüchte. Im Winter finden sich bei Frostfreiheit oft noch Vogelmieren und Gänseblümchen.

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Die Tageszeit ist auch wichtig: Blüten und Blattpflanzen sollten vormittags bei trockenem Wetter gesammelt werden. Die richtige Erntezeit für Kräuter und Pflanzen mit ätherischen Ölen wie z.B. Pfefferminze, Melisse, Basilikum, Dost, Oregano, Majoran, Lavendel und Rosen ist am späten Vormittag, bevor die Sonne zu stark scheint, damit die flüchtigen ätherischen Öle nicht verfliegen. Wurzeln wiederum am besten frühmorgens sammeln. Das sind allerdings nur Richtlinien. Man sollte sie ein bisschen im Kopf haben, sich aber nicht verrückt davon machen lassen. Der Kräutertee, den wir im Geschäft kaufen, erfüllt sicher auch nicht alle dieser Regeln.

Wildkrätuer, Heilkräuter richtig ernten und trocknen, KräutergartenNun zum richtigen Trocknen der gesammelten Kräuter: Sie sollten luftig, trocken, schattig (Licht zerstört die Wirkstoffe), staubfrei und unter 40 Grad getrocknet werden. Und möglichst schnell (innerhalb von 3 – 4 Tagen „bruchtrocken“), sonst können sich die ätherischen Öle der Heilkräuter verflüchtigen und die pflanzlichen Enzyme beginnen einen Abbauprozess in Gang zu setzen. Wenn sich z.B. der Spitzwegerich beim Trocknen braun gefärbt hat, sollte man ihn entsorgen, denn dann  hat er seine gute antibiotische Wirkung verloren.

Will man bei den Kräutern den harten Stängel nicht mitverwenden, sollte man das Kraut noch vor dem Trocknen vom Stiel streifen, damit sich die guten Wirkstoffe nicht darin zurückziehen. Also ist das Trocknen in Büscheln nur bei Kräutern empfehlenswert, die im Ganzen verwendet werden.

Zum Trocken kann man beispielsweise einen Wäscheständer in einem luftigen Keller aufstellen. Ein dünnes Tuch darüber breiten und die Kräuter zum Trocken darauf auslegen. Die Kräuter dabei nicht zu dicht aneinanderreihen. Eine andere Möglichkeit ist einen Dörrapparat zu verwenden, wobei die Temperatur unter 40 Grad eingestellt werden sollte.

Wildkrätuer, Heilkräuter richtig ernten und trocknen, KräutergartenNach dem Trocknen die Kräuter kühl und lichtarm lagern. Das geht besonders gut in dunklen Glasbehältern, Edelstahldosen oder Papiertüten. Wasserziehende Kräuter wie Eibisch, Königskerze, Ringelblume oder Malve immer luftdicht verschlossen aufbewahren. Am besten ist es, die Kräuter unzerkleinert aufzubewahren, da Bruchstellen Sauerstoffreaktionen auslösen. So getrocknet und gelagert behalten die Kräuter ihre Inhaltsstoffe mindestens ein Jahr. Aber auch danach können sie ohne weiteres als Wellness-Tees, Kräuterbäder, Kräuterkissen oder Kräutersalze verwendet werden.

Das war jetzt viel Theorie, aber in der Praxis macht das Sammeln der Heilkräuter viel Freude und ein Haus, das ein wenig nach Kräutern duftet, ist sehr einladend. Im Winter eigenen sie sich übrigens auch, um grüne Smoothies aufzuwerten. Oder die Kräuter in einem Hochleistungsmixer (möglichst portionsweise) sehr fein mahlen, so hat man sein eigenes „Green Powder“ hergestellt. Einfach ein bis zwei Teelöffel davon in Müslis, Smoothies oder auch über ein gekochtes Essen streuen.

Nun wünsche ich Euch viel Freude beim letzten Sammeln vor dem Winter!
Eure Ottilie

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2 Gedanken zu “Kräuter richtig ernten und trocknen

  1. Schöner Artikel, hier in der norddeutschen Praxis habe ich das Problem, dass es während der Erntezeit im Haus zu kühl ist zum Trocknen, zu warm allerdings,um den Specksteinofen laufen zu haben, auf dem man herrlich trocknen kann (2 Roste und ein Leinentuch drunter, wird nicht zu warm), draussen weht natürlich sofort alles weg … Ich bin dieser Zwickmühle entkommen, indem ich mein Erntegut locker in große Körbe gefüllt und lichtdicht mit leichten Leinentüchern abgedeckt im Kofferraum vom Auto getrocknet habe. So sehr heiß wurde es darin im Schatten an sich nicht, aber warm und trocken genug, dass die Blüten und Kräuter trockneten. Irgendwann will ich trotzdem einen windfesten Solartrockner haben.
    LG Oli

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